Boom. Boom. Krachend sprangen die Feuerkörper über den Himmel, zerbarsten und verteilten sich wie temporäre Sterne. Ich stand, den Kopf gen Himmel gerichtet, mein Gewicht abwechselnd auf den müden Beinen verteilend, am Rande des Gehwegs, neben dem Baum, auf einer französischen Straße. Um mich herum kleine Menschengruppen scheinbar willkürlich auf der Straße verteilt, immer 3 oder 4, manche filmten. Mit den ersten Lauten des Feuerwerks waren sie auf die Pflastersteine geeilt. Auch ich war zusammengezuckt in dem Holzstuhl, hatte mich erschreckt, der spitze Schrei fuhr mir reflexartig über die Lippen. 

Die Raketen verteilten sich, immer größere Blitzlichter erhellten den Abendhimmel. Gerade noch hatte ich verzweifelt versucht, den Mann in der Pizzeria davon zu überzeugen, dass ich keine Französin sei, dennoch französische Vorfahren hatte, händeringend nach vertrauten Worten in der fremden Sprache gesucht. Und jetzt, wenige Momente später, stand ich hier, die Augen auf das Feuerwerk gerichtet und dachte an Silvester. Dachte daran, wie ich in meinem Wintermantel auf der Straße stand, ebenfalls inmitten von unbekannten Gesichtern, in den rauchigen Himmel starrte, mit dem Geschmack des letzten Jahres noch auf der Zunge. Ich dachte daran, dass ich im Nachhinein wohl glücklich war und wie vollkommen dieser Abend doch war. Es war ein neuer Anfang, das letzte halbe Jahr eine Steigerung des vorigen, du an meiner Seite. 

Verschwommene Bilder des Feuerwerks in Cannes tauchten vor meinem inneren Auge auf, die Erinnerungen zu sehr verblasst, erst ein Jahr her. Aber auch das schien wie ein Neuanfang, eine Abgrenzung, ein Symbol, eine Wegmarkierung. Die Feuerwerkskörper überstrahlten sich inzwischen fast gegenseitig, immer mehr Licht wurde in die Luft geschossen, so grell, dass man eigentlich die Lider schließen wollte. Rot, grün, gelb, weiß. Diagonal schossen sie über den Himmel, zerteilten sich zu Teilkörpern, verblassten, leuchteten auf, verblassten, Licht, Dunkelheit, Licht. Der Schall übertönte sich selbst, ein letzter Knall. Und plötzlich war es vorbei, man applaudierte, klatschte und wandte sich dann ab. Die Band spielte wieder, die Pizza am Erkalten. Man kehrte zum bisherigen Leben zurück, als wäre es fast nicht da gewesen, ein Geheimnis zwischen denen die es erlebten. 

Ich war letzte Woche in Südfrankreich in der Nähe Perpignans. Obwohl es äußerlich ganz ehrlich vielleicht nicht der beste Urlaub war, haben es die Menschen, die ich begleitet habe, wieder rausgerissen.  Die meiste Zeit lagen wir am Strand, während die Sonne Muster auf unsere Haut gebrannt hat. Am Dienstag besuchten wir Carcassonne. Es schien irgendwie surreal, alle Touristen in dieser Gegend hatten sich wohl an dem Tag dort versammelt und mit der Festungskulisse, den Pferden, Touri-Shops und Menschenmassen hätte man sich auch im Europapark befinden können.

Momente der letzten Woche:

  • angespannte Diskussionen mit dem französischen Vermieter, der gerne auch mal die ein oder andere frauenfeindliche Aussage im Gespräch fallen ließ
  • kaltes Salzwasser, Wellen so hoch, dass sie über einen drüber schwappen, auf der Luftmatratze sonnen und vor sich hin dümpeln
  • jeden Abend Pizza
  • Longboard fahren, bis die Beine schmerzen
  • stürmischer Wind, der einem unermüdlich ins Gesicht schreit, bläst, die Haare um die Ohren schlägt
  • kalte Cola, Sonnenuntergang am Strand, Spieleabende
  • auf dem Balkon malen
  • sich in Melodrama von Lorde verlieben
  • nachts im Auto fahren

 

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